Veranstaltung:

Danielle Buschinger, Paris (Vortrag)

„Vielerlei Schlüsse: Zu Wagners Götterdämmerungs-Finale“

Künstlerhaus am Lenbachplatz
Samstag 06.10.2018 - 15:00 h

Am 4. Oktober 1848 veröffentlicht Wagner seinen Prosaentwurf Der Nibelungenmythus. Als Entwurf zu einem Drama; am 20. Oktober schließt er den Prosaentwurf zu Siegfrieds Tod ab; zwischen dem 12. und dem 28. November schreibt er in freien Rhythmen und in Stabreimen die Urfassung von Siegfrieds Tod, den späteren Teil der Tetralogie, aber noch ohne den Brand Walhalls.

Er nimmt dann an der Dresdner Revolution von Mai 1849 teil. Am 9. Mai muss er die Flucht ergreifen und wird erst wieder am 12. August 1860 nach Deutschland zurückkehren. Er lässt sich in Zürich nieder und setzt seine Arbeit am Ring fort. 1851 schreibt er das Textbuch des Jungen Siegfried, die erste Prosaskizze zu Rheingold und zur Walküre. 1852 entstehen die Urschriften der gesamten Rheingold-Dichtung und der Walküre. Der Junge Siegfried und Siegfrieds Tod werden überarbeitet. Beide Werke erhalten erst 1856 ihre endgültigen Titel Siegfried und Götterdämmerung. Auf diese Weise ist die gesamte Dichtung zum Ring des Nibelungen abgeschlossen. Er nimmt noch einige Veränderungen vor, besonders im Siegfried. Die Partitur des gesamten Rings wird erst am 21. November 1874 vollendet. Sechs und zwanzig Jahre (mit Unterbrechungen) hat Wagner an seinem Ring gearbeitet. In ihren Tagebüchern schreibt Cosima von den Schwierigkeiten, die ihm der Schluss seiner Tetralogie bereitet. Es gibt nämlich sechs verschiedene Fassungen von Brünhilds Schlussgesang:

Letzten Endes könnte man meinen, dass Wagner, der außer dem Schluss à la Feuerbach, den er für König Ludwig II. vertont hat, keinen der zahlreichen Texte komponiert hat, lieber den Schluss offenlassen wollte, indem er nur die Musik sprechen ließ. Alle Auffassungen fließen ineinander, keine schließt die anderen aus; alle sind gültig - auch die buddhistische!

Prof. Dr. Danielle Buschinger ist Professorin für Germanistik an der Université de Picardie-Jules Verne in Amiens. Sie hat sich bei Prof. Dr. Jean Fourquet an der Sorbonne habilitiert (Thèse de Doctorat d’Etat). In der Forschung hat sie vor allem Themen des Tristan-Stoffes bearbeitet. Sie hat sich aber auch mit den deutsch-französischen Literaturbeziehungen, mit dem Nibelungenlied und der Klage, den Artus- und Gralsromanen, dem Lancelot, der Sangspruchdichtung, dem Minnesang, der Tierepik, dem spätmittelalterlichen Roman, der Chronistik, dem Deutschen Orden, Richard Wagner und der Mittelalterrezeption befasst. Sie hat mittelhochdeutsche Werke herausgegeben und ins Französische übersetzt, u.a. Ulrichs von Zatzikhoven Lanzelet, Wirnts von Grafenberg Wigalois, Gottfrieds Tristan sowie die Fortsetzungen des Ulrich von Türheim und Heinrichs von Freiberg (Bibliothèque de la Pléiade), Das Nibelungenlied und die Klage (gleichfalls bei Gallimard), Parzival Wolframs von Eschenach, Diu Krône des Heinrich von dem Türlin. Sie bereitete eine Edition der hochalemanischen Übersetzung der Faits d’armes et de chevalerie der Christine de Pizan. Sie hat Das Mittelalter Richard Wagners und Richard Wagner und der Buddhismus (bei Königshausen und Neumann in Augsburg), Les chevaliers teutoniques (bei Ellipses in Paris), eine Monographie des Komponisten Richard Wagners (Richard Wagner. L’Opéra d’une vie) bei Slatkine veröffentlicht. Eine französische Übersetzung des Briefwechsels zwischen Wagner und Liszt ist bei Gallimard erschienen.

Sie bereitet weiter zwei Bücher vor: Literarischer Kulturtransfer zwischen Romania und Teutonia (bei Walter de Gruyter); Der Synkretismus bei Richard Wagner (bei Königshausen und Neumann).