Veranstaltung:

Dr. Bernd Buchner, Regensburg (Vortrag)

„Wagners Welttheater - Zur Geschichte der Bayreuther Festspiele zwischen Kunst, Politik und Religion“

Künstlerhaus am Lenbachplatz
Samstag ??.10.2027 - 15:00 h

Von Anfang an war der Grüne Hügel ein Ort, an dem sich Kunst, Politik und Religion auf schillernde Art und Weise begegneten. Richard Wagner verwendete in fast jedem seiner Werke auch religiöse und christliche Motive, musste sich nach der Tannhäuser-Premiere gegen Vorwürfe des „Katholisierens“ verteidigen und legte später die Meistersinger von Nürnberg als Vorzeigeoper des protestantischen Bürgertums an. Der Komponist selbst war formal evangelisch und war an theologischen Fragen stark interessiert, doch ein ernsthafter Christenglaube ist nicht erkennbar. In seiner letzten Oper Parsifal schuf Wagner ein Werk, das zentrale religiöse Motive in ihr Gegenteil verdreht. Das „Bühnenweihfestspiel“ muss als blasphemisch gelten, gerade weil es die weihevolle Atmosphäre christlicher Kirchlichkeit nachempfindet. Dies folgte dem Konzept einer „Kunstreligion“, die mit dem herkömmlichen Glauben wenig zu tun hat.

Wie stark also trägt die Bayreuther Hochkultur auch häretische Züge, wie stellen sich Kirche und Theologie dazu? Und welche Rolle spielt die völkische „Bayreuther Theologie“ beim Aufstieg des Nationalsozialismus? Auf diese Fragen wird Dr. Bernd Buchner in seinem Vortrag ausführlich eingehen. Er behandelt darin auch aktuelle Tendenzen in Bayreuther Inszenierungen und fragt nach Perspektiven einer „Säkularisierung“ auf der Opernbühne.

Dr. Bernd Buchner, geb. 1968 in Kulmbach, ist Historiker, Journalist und Publizist. Er studierte Geschichte, Journalistik, Anglistik und katholische Theologie in Gießen und Bordeaux und promovierte über die nationale Symbolik in der Weimarer Republik. Nach Tätigkeiten beim Nordbayerischen Kurier, bei Nachrichtenagenturen und verschiedenen Online- und kirchlichen Medien ist er heute Redakteur beim Heinrichsblatt in Bamberg.

Dr. Buchner veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zu zeitgeschichtlichen, musikhistorischen und theologischen Themen. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Richard Wagner und der Bayreuther Festspielgeschichte sowie auf dem Verhältnis von Kunst, Politik und Religion. Zu seinen Veröffentlichungen zählen „Wagners Welttheater“, 2025 in einer umfassend erweiterten Neufassung erschienen, und der 2026 veröffentlichte Essay „Ist Wagner Kunst oder Religion, Bernd Buchner?“.